Barrierefreie & altersgerechte Küche: Planung & Kosten

Kochen dauert länger als früher. Der Hängeschrank ist kaum noch zu erreichen, und vor der Spüle fehlt der Platz zum Wenden. Eine barrierefreie Küche setzt genau dort an: Sie schafft Platz zum Bewegen und bringt Arbeitsflächen, Geräte, Vorräte und Bedienelemente in eine Höhe, die Sie im Stehen wie im Sitzen erreichen.

Wie weit der Umbau gehen muss, entscheidet Ihre Situation. Wer schlechter zu Fuß ist, kommt oft mit Nachrüstungen an Schränken und Armaturen aus. Sobald ein Rollstuhl im Spiel ist, gelten feste Maße aus DIN 18040-2. Was der Umbau kostet und welche Zuschüsse es noch gibt, steht weiter unten.

Frau im Rollstuhl schneidet Gemüse in einer barrierefreien und rollstuhlgerechten Küche
Unterfahrbare Arbeitsfläche mit Beinfreiheit: die Voraussetzung dafür, im Sitzen zu arbeiten. Foto: Pexels

Das Wichtigste zusammengefasst

  • Vor der Küchenzeile verlangt DIN 18040-2, Abschnitt 5.4 eine Bewegungsfläche von 120 mal 120 Zentimetern, bei Rollstuhlnutzung 150 mal 150 Zentimeter. Wortlaut in den Planungsgrundlagen Barrierefreies Bauen des Bayerischen Bauministeriums.
  • Für Arbeitshöhe und Beinfreiheit macht die Norm in der Küche keine Vorgabe. Hier entscheidet die Ergonomie, also Ihre Körpergröße und die Sitzhöhe.
  • Höhenverstellbare Systeme fahren die Arbeitsplatte um etwa 30 Zentimeter auf und ab. Damit arbeiten eine sitzende und eine stehende Person an derselben Fläche.
  • Eine neue Einbauküche kostete in Deutschland Anfang 2026 durchschnittlich 12.404 Euro (GfK-Panelmarkt Küchenfachhandel, AMK-Wirtschaftspressekonferenz 2026). Barrierefreie Ausstattung kommt darauf.
  • Die Pflegekasse zahlt bis zu 4.180 Euro je Maßnahme nach § 40 Abs. 4 SGB XI, sofern ein anerkannter Pflegegrad vorliegt. Kostenvoranschlag und Antrag gehören vor den Auftrag an den Betrieb.
  • Der KfW-Zuschuss 455-B nimmt seit dem 31. Juli 2026 keine Anträge mehr an, frühestens 2027 wird eine Antragstellung wieder möglich (KfW).

Inhaltsverzeichnis

  1. Drei Konzepte für die Küche im Alter
  2. Was DIN 18040-2 für die Küche vorschreibt
  3. Die wichtigsten Elemente einer barrierefreien Küche
  4. Höhenverstellbare Systeme im Vergleich
  5. Was ein barrierefreier Küchenumbau kostet
  6. Welche Zuschüsse es gibt und welche nicht mehr
  7. Schritt für Schritt zum Umbau
  8. Häufige Fragen

Drei Konzepte für die Küche im Alter

Hinter dem Wort barrierefrei stecken drei verschiedene Vorhaben mit sehr unterschiedlichem Aufwand. Welches zu Ihnen passt, entscheidet sich vor der ersten Planungsskizze.

Altersgerecht vs. Barrierefrei - Der Hauptunterschied zusammengefasst - © Altersgerecht Modernisieren
Der Unterschied zwischen einer altersgerechten und einer barrierefreien Küche. © Altersgerecht Modernisieren

Altersgerecht: Komfort ohne Normbezug

Die altersgerechte Küche macht die täglichen Handgriffe leichter. Sie folgt keiner Norm und braucht keine Genehmigung. Typisch sind Vollauszüge statt Drehböden, ein erhöhter Backofen, bessere Beleuchtung und eine Armatur, die sich mit dem Unterarm bedienen lässt.

Das Ziel ist Sturzvermeidung und weniger Bücken. Ein großer Teil davon lässt sich in eine bestehende Küche nachrüsten, ohne die Möbel auszutauschen. Wer noch gut zu Fuß ist und vorsorgen will, fährt mit diesem Weg am günstigsten.

Rollstuhlgerecht: hier gilt die Norm

Sobald ein Rollstuhl im Spiel ist, gelten Maße. Maßgeblich ist DIN 18040-2 für Wohnungen. Die Norm kennt zwei Stufen: Grundanforderungen für alle barrierefreien Wohnungen und zusätzliche, mit dem Buchstaben R gekennzeichnete Anforderungen für uneingeschränkte Rollstuhlnutzung.

Der Unterschied entscheidet über den Grundriss, weil die R-Werte deutlich mehr Fläche verlangen. Das trifft vor allem schmale Küchen.

Höhenverstellbar: eine Küche für zwei Körpergrößen

Der dritte Weg löst ein Problem, das die beiden anderen offenlassen. Wer im Rollstuhl sitzt, arbeitet bei etwa 82 Zentimetern bequem. Wer 1,85 Meter groß ist und steht, braucht rund 100 Zentimeter. In einer starren Küche verliert immer eine der beiden Personen.

Höhenverstellbare Systeme bewegen die Arbeitsplatte per Knopfdruck. Dieselbe Fläche steht morgens auf Sitzhöhe zum Gemüseschneiden und abends auf Stehhöhe für den Partner. In einem Haushalt, in dem eine Person dauerhaft im Rollstuhl sitzt und die andere steht, ist das die einzige Lösung ohne Kompromiss.

Die Zielgruppen für eine höhenverstellbare Küche - ©Altersgerecht Modernisieren
Für wen sich eine höhenverstellbare Küche lohnt. © Altersgerecht Modernisieren
Höhenverstellbare Küche für Rollstuhlfahrer im Alltag. Video: Küchen Hahn

Was DIN 18040-2 für die Küche vorschreibt

Der Küchenabschnitt der Norm trägt die Nummer 5.4 und ist kürzer, als die meisten Ratgeber vermuten lassen. Er regelt Flächen, keine Möbel. Nachlesen lässt sich der Wortlaut in den Planungsgrundlagen Barrierefreies Bauen des Bayerischen Bauministeriums, die DIN 18040-2 abdrucken.

Drei Vorgaben stehen dort für die Küche:

  • Zum Drehen und Wenden mit Gehhilfe oder Rollstuhl braucht jeder Raum eine Bewegungsfläche von mindestens 120 mal 120 Zentimetern. Für uneingeschränkte Rollstuhlnutzung sind es 150 mal 150 Zentimeter.
  • Vor Kücheneinrichtungen muss die Bewegungsfläche mindestens 120 Zentimeter tief sein, bei Rollstuhlnutzung 150 Zentimeter.
  • Für Rollstuhlnutzung empfiehlt die Norm, Herd, Arbeitsplatte und Spüle übereck anzuordnen, damit die Wege kurz bleiben.
MerkmalBarrierefreiRollstuhlgerecht (R)
Bewegungsfläche zum Wenden120 mal 120 cm150 mal 150 cm
Tiefe vor der Küchenzeile120 cm150 cm
Lichte Breite der Innentür80 cm90 cm
Anordnung der Arbeitsbereichekeine Vorgabeübereck empfohlen
DIN 18040-2, Abschnitt 5.4 und Abschnitt 5.3.1, wiedergegeben in den Planungsgrundlagen Barrierefreies Bauen des Bayerischen Bauministeriums

Türen und Schwellen

Die Türbreite regelt die Norm im Türenabschnitt. Innentüren brauchen ein lichtes Durchgangsmaß von mindestens 80 Zentimetern, bei uneingeschränkter Rollstuhlnutzung 90 Zentimeter. Wohnungseingangstüren liegen bei 90 Zentimetern. Schwellen sollen entfallen; wo sie baulich unvermeidbar sind, dürfen sie 2 Zentimeter nicht überschreiten.

Für die Küche ist das oft der erste Eingriff überhaupt. Eine 70 Zentimeter breite Küchentür macht jede weitere Maßnahme wirkungslos.

Die wichtigsten Elemente einer barrierefreien Küche

Bewegungsflächen und Laufwege

Die Fläche entscheidet vor allem anderen. Zwischen zwei Küchenzeilen brauchen Sie mindestens 120 Zentimeter Durchgang, um sich mit einem vollen Tablett drehen zu können und später einen Rollator unterzubringen. Für den Wendekreis eines Rollstuhls sind es 150 mal 150 Zentimeter.

Zweizeilige Küchen mit engem Gang scheitern daran regelmäßig, weil sich die Bewegungsflächen beider Zeilen überlagern müssten. Welche Grundrisse sich eignen, steht im Detail bei den L-förmigen, U-förmigen und zweizeiligen Küchen sowie bei der Küche mit Kochinsel. Einen Überblick über alle Küchenthemen gibt der Küchen-Ratgeber.

Unterfahrbare Arbeitsflächen

Unterfahrbar heißt: Unter Arbeitsplatte, Spüle oder Kochfeld bleibt der Raum frei, sodass Sie im Sitzen davorfahren können. Das setzt voraus, dass an dieser Stelle kein Unterschrank steht und dass Siphon und Anschlüsse nach hinten oder in die Wand verlegt sind.

Beispiel der klassischen Küchenarbeit für Rollstuhlfahrer in einer Küche OHNE unterfahrbare Arbeitsplatte
Ohne Beinfreiheit bleibt nur die Arbeit von der Seite, mit verdrehtem Oberkörper. Foto: Pexels

Unter der Spüle gehört zusätzlich eine Isolierung an das Abflussrohr. Wer im Sitzen arbeitet, kommt mit den Knien daran, und heißes Spülwasser macht das Rohr heiß.

Die richtige Arbeitshöhe

Weil die Norm hier schweigt, zählt die Ergonomie. Der Verein Aktion Gesunder Rücken (AGR) empfiehlt für stehende Arbeit 10 bis 20 Zentimeter Abstand zwischen dem angewinkelten Ellbogen und der Arbeitsplatte. Am Kochfeld sollten es 20 bis 40 Zentimeter sein, damit der Blick in die Töpfe möglich bleibt.

Auf die Körpergröße umgerechnet ergibt das die folgenden Richtwerte:

KörpergrößeHöhe der Arbeitsfläche
bis 155 cm85 cm
160 cm90 cm
165 cm93 cm
170 cm95 cm
175 cm98 cm
180 cm100 cm
185 cm103 cm
190 cm105 cm
195 cm108 cm
über 200 cm110 cm
Richtwerte nach OBI, Ergonomie in der Küche. Empfehlung des Baumarkts, keine Normvorgabe.
Die ideale Arbeitshöhe einer Küche anhand der Körpergrößen (gesehen bei MEGA Küchen in Bad Säckingen) - ©Altersgerecht Modernisieren
Ein Schaubild mit einer ähnlichen Größenverteilung hängt im Studio von MEGA Küchen in Bad Säckingen aus. © Altersgerecht Modernisieren

Für sitzende Arbeit liegt die Fläche tiefer, in der Praxis bei rund 82 Zentimetern. Über das Ergebnis entscheidet dabei vor allem die Beinfreiheit darunter. Messen Sie im Sitzen die Höhe Ihrer Knie und rechnen Sie einige Zentimeter Luft dazu.

Wenn Ihnen nur das lange Stehen schwerfällt, ist der Umbau der Arbeitshöhe oft gar nicht nötig. Eine Stehhilfe für die Küche stützt im Halbsitz an der vorhandenen Platte und kostet einen Bruchteil davon.

Stauraum, der ohne Bücken auskommt

Der zweite große Hebel liegt in den Schränken. Vollauszüge bringen den Inhalt zu Ihnen, statt Sie in den Schrank zu schicken. Apothekerschränke machen dasselbe für schmale Nischen. Oberschränke mit Absenkmechanik holen das Geschirr auf Arbeitshöhe herunter, was besonders zählt, wenn das Greifen über Schulterhöhe schwerfällt.

Eckschränke sind der schwierigste Fall. Ein Drehboden erreicht nur einen Teil des Volumens; Auszugsysteme, die den gesamten Eckinhalt herausschwenken, kosten mehr und lohnen sich in kleinen Küchen trotzdem.

Geräte und Spüle

Bei den Geräten zählt die Einbauhöhe mehr als die Ausstattung. Ein Backofen auf Brusthöhe erspart das Bücken mit dem heißen Blech, und die Tür sollte sich seitlich öffnen lassen. Ein Induktionskochfeld bleibt außerhalb der Topffläche kühl und schaltet ab, wenn kein Topf daraufsteht. Abgerundete Arbeitsplattenkanten nehmen Stößen die Schärfe.

An der Spüle lohnt eine Armatur mit langem Hebel und ausziehbarer Brause. Der Hebel lässt sich auch mit dem Unterarm bedienen, wenn die Hände nass oder die Finger steif sind. Ein Temperaturbegrenzer verhindert Verbrühungen. Ein flaches Becken von etwa 15 Zentimetern Tiefe erleichtert das Arbeiten im Sitzen, weil der Beckenboden näher an der Hand liegt.

Armatur mit ausziehbarer Brause und großem und handlichem Hebel - © Altersgerecht Modernisieren
Ein langer Hebel lässt sich auch mit dem Unterarm bedienen. © Altersgerecht Modernisieren

Technik, die im Hintergrund mitdenkt

Ein Teil der Sicherheit lässt sich nachrüsten, ohne die Küche anzufassen. Ein Herdwächter überwacht Temperatur und Nutzung und schaltet das Kochfeld ab, wenn niemand mehr am Herd steht. Solche Geräte werden zwischen Herd und Steckdose gesetzt oder im Anschlusskasten verbaut.

Bewegungsmelder schalten die Unterbaubeleuchtung ein, sobald jemand die Küche betritt. Ein Wasserstopp trennt die Leitung, wenn ein Schlauch undicht wird. Solche Bauteile kosten wenig und wirken genau dann, wenn die Aufmerksamkeit nachlässt.

Höhenverstellbare Systeme im Vergleich

Höhenverstellbare Systeme sitzen als Hubrahmen zwischen Boden und Arbeitsplatte und fahren elektrisch oder von Hand. Die gängigen Systeme verstellen die Höhe um etwa 30 Zentimeter, was den Bereich zwischen sitzender und stehender Arbeit abdeckt.

Die 4 Vorteile einer höhenverstellbaren Küche - ©Altersgerecht Modernisieren
Was eine höhenverstellbare Küche im Alltag bringt. © Altersgerecht Modernisieren
Arbeitsplattenlift Sidelift 6400 in Bewegung. Video: Granberg Interior AB

Die vollständig verstellbare Küchenzeile

Hier fährt die gesamte Zeile samt Spüle, Kochfeld und Oberschränken. Das ist die aufwendigste Variante, weil jede Leitung beweglich ausgeführt sein muss und die Hebetechnik das volle Gewicht trägt.

Sie lohnt sich, wenn eine Person dauerhaft im Rollstuhl sitzt und die Küche ihr Hauptarbeitsplatz ist. Dann arbeitet sie an jeder Stelle der Zeile, nicht nur an einem zugewiesenen Abschnitt.

Die einzelne verstellbare Arbeitsplatte

Verstellbar wird nur der Abschnitt, an dem die Vorbereitung stattfindet, meist zwischen Spüle und Kochfeld. Das ist die häufigste Lösung, weil sie den größten Teil des Nutzens zum kleinsten Teil des Aufwands liefert.

Wichtig ist die Länge. Ein Abschnitt von 60 Zentimetern reicht in der Praxis kaum, weil weder ein Schneidebrett noch eine Schüssel danebenpassen. Prüfen Sie vor der Planung, wo in Ihrer Küche tatsächlich vorbereitet wird, und legen Sie den verstellbaren Bereich genau dorthin.

Die höhenverstellbare Kochinsel

Die Insel steht frei im Raum und ist von mehreren Seiten befahrbar. Für Rollstuhlnutzung ist das der Vorteil: Sie fahren an, statt sich an einer Zeile entlangzuhangeln. Der Preis dafür sind Leitungen im Boden, die vor dem Estrich geplant sein müssen.

Höhenverstellbare Kochinsel, Ausführung eines Küchenbauers. Video: BISAG Küchenbau AG
MerkmalGanze ZeileEinzelne PlatteKochinsel
Aufwand bei der Installationhochgeringhoch, Leitungen im Boden
Nachrüstbar im Bestandseltenhäufigselten
Verstellbarer Arbeitsbereichgesamte Zeileein Abschnittdie ganze Insel
Geeignet fürdauerhafte RollstuhlnutzungHaushalte mit unterschiedlichen Körpergrößenoffene Räume, Anfahrt von mehreren Seiten
Zu bedenkenjede Leitung beweglichLänge des AbschnittsPlanung vor dem Estrich
Eigene Zuordnung nach Herstellerangaben und den ausgewerteten Systemen. Keine Preisangabe, weil die Hersteller keine Listenpreise veröffentlichen.
Höhenverstellbare Kochinsel im Betrieb. Video: xanocs Küchenstudios

Drei Fehler bei der Planung

Die Top 3 Planungsfehler bei einer höhenverstellbaren Küche - ©Altersgerecht Modernisieren
Die häufigsten Fehler bei der Planung einer höhenverstellbaren Küche. © Altersgerecht Modernisieren

Der verstellbare Bereich ist zu kurz. Wer nur 60 Zentimeter verstellbar plant, hat später eine Insel im Kleinformat und arbeitet doch wieder auf der festen Platte daneben.

Starre Anschlüsse blockieren den Hub. Wasser, Abfluss und Strom müssen als flexible Leitungen ausgeführt sein. Wird das vergessen, fährt die Platte entweder nicht oder reißt beim ersten Hub an der Leitung.

An der Hebetechnik wird gespart. Die Motoren tragen Platte, Spüle und Kochfeld über Jahre und werden täglich bewegt. Ein billiges System macht sich als Wackeln, Nachlaufen und schiefer Stand bemerkbar.

Alexander Herr, Marktleiter MEGA Küchen

Klar, man muss ehrlich sein: Eine höhenverstellbare Küche ist heute noch eine größere Investition und eher etwas Besonderes. Aber: Die Menschen wollen immer mehr Individualität und das bietet diese Küche. Deshalb bin ich überzeugt, dass das ein Nischenprodukt mit riesigem Potenzial ist.

Alexander Herr
Marktleiter MEGA Küchen, Mitwirkender am Fachbuch „Zuhause für immer“

Was ein barrierefreier Küchenumbau kostet

Belastbare Preise für barrierefreie Küchen sind schwer zu bekommen. Die Hersteller von Liftsystemen veröffentlichen keine Preislisten und geben Auskunft nur auf Anfrage. Hier steht deshalb nur, was sich belegen lässt.

Der Ausgangspunkt. Eine neue Einbauküche kostete in Deutschland Anfang 2026 durchschnittlich 12.404 Euro. Die Zahl stammt aus dem GfK-Panelmarkt für den Küchenfachhandel und wurde auf der AMK-Wirtschaftspressekonferenz 2026 vorgestellt. Ob Elektrogeräte und Montage darin enthalten sind, weist die Quelle nicht aus.

Die barrierefreien Bauteile. Das Fachportal nullbarriere.de hat für einzelne Komponenten eigene Preise recherchiert. Es handelt sich um Nettopreise mit Stand 2022, ausdrücklich als ungefähre Größenordnung gekennzeichnet:

MaßnahmePreis ab
Türverbreiterung auf 90 mal 210 cm700 Euro
Einhebelmischer mit Temperaturbegrenzer255 Euro
Steckdosen, spritzwassergeschützt200 Euro
Unterfahrbarer Herd mit Spüle, Armatur, Arbeitsplatte und Rollcontainer1.540 Euro
Komplette barrierefreie Küche10.000 Euro
Eigene Preisrecherche von nullbarriere.de, Nettopreise, Stand 2022. Nicht auf heutige Preise fortgeschrieben.

Diese Zahlen sind vier Jahre alt und enthalten keine Mehrwertsteuer. Als Orientierung taugen sie, als Kalkulationsgrundlage nicht.

Was den Preis wirklich treibt, lässt sich dagegen klar benennen. Der größte Posten ist die Hebetechnik, wenn Sie höhenverstellbar planen. Danach kommen die Installationen: Ein unterfahrbarer Bereich verlangt verlegte Wasser- und Abflussleitungen, oft auch Steckdosen an anderer Stelle. Eine Türverbreiterung ist ein Eingriff in die Wand und zieht Putz- und Bodenarbeiten nach sich. Geräte auf Brusthöhe brauchen Hochschränke.

Deshalb führt an einem Aufmaß vor Ort kein Weg vorbei. Der Kostenvoranschlag, den Sie dafür bekommen, verlangt die Pflegekasse für den Antrag ohnehin.

Welche Zuschüsse es gibt und welche nicht mehr

Alle Angaben dieses Abschnitts wurden am 27. August 2026 gegen die Originalquellen geprüft.

Pflegekasse: bis zu 4.180 Euro

Liegt ein anerkannter Pflegegrad vor, zahlt die Pflegekasse einen Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen. Rechtsgrundlage ist § 40 Abs. 4 SGB XI. Der Gesetzestext nennt den Betrag ausdrücklich: Die Zuschüsse dürfen 4.180 Euro je Maßnahme nicht übersteigen. Der Küchenumbau zählt dazu, wenn er die häusliche Pflege ermöglicht oder erheblich erleichtert. Das Programm ist laufend beantragbar.

Leben mehrere pflegebedürftige Personen im Haushalt, gilt der Betrag je Person. § 40 Abs. 4 SGB XI begrenzt den Gesamtbetrag je Maßnahme auf 16.720 Euro und teilt ihn bei mehr als vier Anspruchsberechtigten anteilig auf.

Zwei Punkte werden häufig verwechselt. Zuständig ist die Pflegekasse. Die Krankenkasse zahlt nach § 33 SGB V Hilfsmittel für die Person, etwa einen Rollator, und leistet für die Anpassung der Wohnung nichts. Und ohne Pflegegrad besteht auf diese 4.180 Euro kein Anspruch, auch wenn der Umbau sinnvoll ist.

Der Antrag gehört vor den Beginn der Maßnahme, zusammen mit einem Kostenvoranschlag. Dieser Verfahrensweg ergibt sich aus den Hinweisen der Kassen, im Gesetzestext steht er nicht. Die AOK schreibt dazu, den Zuschuss beantragen Sie vor dem Umbau und reichen zusätzlich einen Kostenvorschlag ein; das Bundesgesundheitsministerium stellt es ebenso dar.

KfW-Zuschuss 455-B: geschlossen

Der Investitionszuschuss „Altersgerecht Umbauen, Barrierereduzierung“ mit der Programmnummer 455-B nimmt seit dem 31. Juli 2026 keine Anträge mehr an. Auf der Produktseite der KfW steht dazu: „Diesen Zuschuss können Sie nicht mehr beantragen.“ Als Grund nennt die KfW, dass die Fördermittel für Maßnahmen zur Barrierereduzierung wegen der hohen Nachfrage ausgeschöpft sind. Eine Antragstellung wird erst wieder möglich, wenn im Jahr 2027 erneut Bundesmittel bereitstehen. Bereits erteilte Zusagen bleiben gültig und werden ausgezahlt.

Wir nennen hier bewusst keinen Zuschussbetrag. Für ein Programm, das keine Anträge annimmt, hat er keinen Anwendungsfall. Falls Sie auf einer anderen Seite lesen, die KfW zahle 2.500 Euro für den barrierefreien Küchenumbau: Diese Angabe ist überholt. Prüfen Sie den Stand vor jeder Planung direkt bei der KfW.

KfW-Kredit 159: verfügbar

Was bleibt, ist der Kredit. Das Programm Altersgerecht Umbauen (159) finanziert Investitionskosten mit einem Kreditbetrag von maximal 50.000 Euro je Wohneinheit. Es ist ein Darlehen und wird zurückgezahlt. Ein Pflegegrad ist nicht erforderlich, und antragsberechtigt sind auch Mieterinnen und Mieter. Einen Zinssatz nennen wir nicht, weil er sich laufend ändert; er steht tagesaktuell bei der KfW.

Eine Einschränkung ist dabei wichtig: Der Kredit 159 und der Zuschuss der Pflegekasse dürfen nicht denselben Teil einer Maßnahme finanzieren. Für verschiedene Teile ist die Kombination möglich, dafür braucht es getrennte Rechnungen.

Steuer: 20 Prozent der Arbeitskosten

Handwerkerleistungen im eigenen Haushalt senken die Einkommensteuer um 20 Prozent der Aufwendungen, höchstens um 1.200 Euro im Jahr. Das regelt § 35a Abs. 3 EStG. Abziehbar ist allein der Lohnanteil, und die Rechnung muss überwiesen werden; Barzahlung schließt die Ermäßigung aus.

Der Paragraf enthält allerdings einen Ausschluss, der auf vielen Förderseiten fehlt. § 35a Abs. 3 Satz 2 EStG sagt, die Ermäßigung gilt „nicht für öffentlich geförderte Maßnahmen, für die zinsverbilligte Darlehen oder steuerfreie Zuschüsse in Anspruch genommen werden“. Wer für dieselbe Maßnahme den Pflegekassen-Zuschuss oder den KfW-Kredit nutzt, kann sie insoweit nicht zusätzlich absetzen.

Stiftungen

Für Menschen mit Behinderung kommen Stiftungen als weitere Quelle infrage. Die Grünenthal-Stiftung unterstützt ausdrücklich Küchen- und Badumbauten, darunter angepasste Arbeitshöhen und den Einbau von Küchengeräten auf Augenhöhe. Feste Förderbeträge nennt sie nicht, der Kontakt läuft über ein Formular.

Weitere Stiftungen fördern jeweils an bestimmte Erkrankungen gebunden. Ob eine davon für Ihren Fall passt, klärt am schnellsten die Wohnberatungsstelle Ihrer Stadt oder Ihres Landkreises.

Schritt für Schritt zum Umbau

Der 5 Schritte Plan zur Planung einer barrierefreien Küche - © Altersgerecht Modernisieren
Die Reihenfolge entscheidet über den Zuschuss. © Altersgerecht Modernisieren

1. Bedarf klären, bevor Sie planen. Messen Sie zuerst die vorhandene Küche aus: Wie tief ist die Fläche vor der Zeile, wie breit die Tür? Halten Sie fest, welche Handgriffe heute Mühe machen. Aus dieser Liste ergibt sich, ob ein Sitzarbeitsplatz genügt oder ob die R-Anforderungen gelten sollen.

2. Pflegegrad prüfen. Liegt keiner vor und ist Pflegebedürftigkeit absehbar, lohnt der Antrag bei der Pflegekasse vor dem Umbau. Ohne Pflegegrad entfällt der Zuschuss von 4.180 Euro nach § 40 Abs. 4 SGB XI.

3. Angebote einholen. Lassen Sie sich mehrere Angebote geben und achten Sie darauf, dass jedes die Positionen einzeln ausweist. Bei höhenverstellbaren Systemen gehören Hersteller, Verstellbereich und Traglast in das Angebot.

4. Antrag stellen, dann erst beauftragen. Der Kostenvoranschlag geht mit dem Antrag an die Pflegekasse. Warten Sie den Bescheid ab. Wer vorher beauftragt, riskiert den Zuschuss.

5. Abnahme mit dem Zollstock. Prüfen Sie nach dem Einbau die Maße, die im Angebot standen: Bewegungsfläche vor der Zeile, lichte Türbreite, Beinfreiheit unter der Arbeitsplatte. Fahren Sie die Küche einmal im Sitzen ab, bevor Sie die Schlussrechnung freigeben.

Drei Angebote für Ihre barrierefreie Küche

Küchenbetriebe, die barrierefrei planen, sind seltener als normale Küchenstudios, und die Preise für dieselbe Küche liegen weit auseinander. Über das Formular erreichen Sie Fachbetriebe in Ihrer Nähe. Der Vergleich ist kostenlos, unverbindlich und herstellerunabhängig.

Partnerhinweis: Wir leiten Ihre Anfrage an Fachbetriebe weiter und erhalten dafür eine Vergütung. Für Sie entstehen keine Kosten. Bezahlt werden wir für die Weiterleitung, nicht für den Auftrag.

Häufige Fragen

Wie viel Platz braucht eine rollstuhlgerechte Küche?

Vor der Küchenzeile muss eine freie Fläche von 150 mal 150 Zentimetern liegen, damit Sie mit dem Rollstuhl wenden können. Die Tiefe der Bewegungsfläche vor Kücheneinrichtungen beträgt ebenfalls 150 Zentimeter. Beides steht in DIN 18040-2, Abschnitt 5.4, als Anforderung für uneingeschränkte Rollstuhlnutzung, nachzulesen in den Planungsgrundlagen des Bayerischen Bauministeriums. Die Küchentür braucht ein lichtes Maß von 90 Zentimetern.

Welche Arbeitshöhe ist für eine rollstuhlgerechte Spüle richtig?

DIN 18040-2 legt für die Küche keine Arbeitshöhe fest, weder für die Spüle noch für die Arbeitsplatte. In der Praxis arbeiten Rollstuhlnutzer bei etwa 82 Zentimetern bequem. Entscheidend ist die Beinfreiheit darunter, sinnvoll sind 55 bis 60 Zentimeter Tiefe. Messen Sie im Sitzen die Höhe Ihrer Knie und rechnen Sie einige Zentimeter Luft dazu.

Gibt es noch einen KfW-Zuschuss für die barrierefreie Küche?

Nein. Der Investitionszuschuss 455-B nimmt seit dem 31. Juli 2026 keine Anträge mehr an, weil die Bundesmittel ausgeschöpft sind. Die KfW rechnet frühestens 2027 mit neuen Mitteln. Bereits erteilte Zusagen bleiben gültig. Verfügbar ist weiterhin der Kredit 159 mit bis zu 50.000 Euro je Wohneinheit.

Zahlt die Pflegekasse den Küchenumbau?

Ja, bis zu 4.180 Euro je Maßnahme, wenn ein anerkannter Pflegegrad vorliegt und der Umbau die häusliche Pflege erleichtert. Grundlage ist § 40 Abs. 4 SGB XI. Bei mehreren pflegebedürftigen Personen im Haushalt gilt der Betrag je Person, der Gesamtbetrag je Maßnahme ist auf 16.720 Euro begrenzt. Zuständig ist die Pflegekasse; die Krankenkasse leistet dafür nichts.

Was kostet eine höhenverstellbare Küche?

Listenpreise veröffentlichen die Hersteller nicht, weder für einzelne Liftsysteme noch für komplette Zeilen. Der Preis hängt daran, ob die ganze Zeile fährt oder nur ein Abschnitt, wie schwer die Platte ist und ob die Leitungen bereits flexibel liegen. Ein Aufmaß vor Ort mit Kostenvoranschlag ist der einzige Weg zu einer belastbaren Zahl.

Kann man eine bestehende Küche barrierefrei nachrüsten?

Vieles lässt sich nachrüsten, ohne die Küche auszutauschen. Unterschränke gegen Vollauszüge zu tauschen, eine Hebelarmatur zu setzen oder die Unterbaubeleuchtung zu verbessern, kostet wenig und wirkt sofort. An Grenzen stößt die Nachrüstung bei den Bewegungsflächen: Wenn vor der Zeile nur 90 Zentimeter frei sind, hilft nur eine andere Anordnung. Ein Möbeltausch ändert daran nichts.

Was kostet eine barrierefreie Küche?

Eine belastbare Pauschale gibt es nicht. Als Anhaltspunkt: Eine neue Einbauküche kostete Anfang 2026 in Deutschland durchschnittlich 12.404 Euro laut GfK-Panelmarkt. Für eine komplette barrierefreie Küche nennt das Fachportal nullbarriere.de einen Startwert von 10.000 Euro netto, allerdings mit Stand

  1. Ein Aufmaß vor Ort mit Kostenvoranschlag ist der einzige Weg zu einer

verlässlichen Zahl, und die Pflegekasse verlangt ihn ohnehin.

Quellen und Bildnachweis

Normen und Recht

Förderung

Preise und Ergonomie

Videos

  • Küchen Hahn, „Höhenverstellbare Küche für Rollstuhlfahrer“
  • Granberg Interior AB, „Kitchen Worktop lift, Sidelift 6400″
  • BISAG Küchenbau AG, „Höhenverstellbare Kochinsel“
  • xanocs Küchenstudios, „Höhenverstellbare Kochinsel“

Bilder

  • Titelbild, Frau im Rollstuhl schneidet Gemüse: Pexels
  • Küchenarbeit ohne unterfahrbare Arbeitsplatte: Pexels
  • Porträt Alexander Herr: privat
  • Alle übrigen Fotos und Grafiken: © Altersgerecht Modernisieren

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